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Teil 14: Konzert-Höhepunkte aus dem Kloster Maulbronn 2014-2017

Cover der Online-Musik-Publikation
EUR 9,90
20 Jahre Edition Kloster Maulbronn
Die schönsten Konzert-Höhepunkte
aus dem Kloster Maulbronn 2014-2017

50 Jahre Klosterkonzerte Maulbronn
Jubiläums-Reihe, Teil 14

Höhepunkte aus:

Dem Konzert "Flautissimo !" (18. Juli 2014):
Stamitz: Sinfonie in Es-Dur, Op. 13 Nr. 1
Mozart: Flötenkonzert Nr. 1 in G-Dur, KV 313 & Sinfonie Nr. 21 in A-Dur, KV 134

Dem Konzert "Arien & Kantaten" (16. Mai 2015):
Auld Lang Syne · Händel: Lascia ch'io pianga · Ferrandini: Se d'un Dio · Händel: Gloria

Bach: Johannespassion, BWV 245 (26. & 27. September 2015)

Dem Konzert "Mozart: Klavierkonzerte Nr. 11 & 12" (26. Juni 2016):
Mozart: Klavierkonzert Nr. 11 in F-Dur, KV 413 & Klavierkonzert Nr. 12 in A-Dur, KV 414

Dem Konzert "Bach meets Vivaldi" (26. Mai 2017):
Bach: Konzert für 2 Violinen in D-Moll, BWV 1043
Vivaldi: Konzert für 4 Violinen in H-Moll, RV 580
"L'Estro Armonico", Op. 3, Nr. 10
Vivaldi: Concerto grosso in D-Moll, RV 565
"L'Estro Armonico", Op. 3, Nr. 11

Konzertmitschnitte aus dem UNESCO-Weltkulturerbe Kloster Maulbronn

HD-Aufnahmen · DDD · Spielzeit: ca. 105 Minuten
Digitales Album · 26 Tracks · incl. Booklet

FILES
Hörproben
Werk(e) & Aufführung
Edition Kloster Maulbronn - Eine Reihe von Josef-Stefan Kindler & Andreas Otto Grimminger, K&K Verlagsanstalt

S

eit nunmehr 20 Jahren dokumentieren wir die Konzerte im UNESCO Weltkulturerbe Kloster Maulbronn. Die seit 50 Jahren bestehende Konzertreihe bietet in vielfacher Hinsicht die idealen Voraussetzungen für unser Bestreben. Es ist wohl vor allem die Atmosphäre in den von romantischem Kerzenlicht erhellten Gewölben, der Zauber des Klosters in seiner unverfälschten sakralen Ausstrahlung und Ruhe, die in ihrer Wirkung auf Künstler und Publikum die Konzerte in unserer Edition Kloster Maulbronn prägen.
Neben vielen wundervollen Mitschnitten, die wir mittlerweile veröffentlicht haben, sind die Aufführungen der Oratorien von Georg Friedrich Händel eine Kostbarkeit innerhalb der Edition. Die größten Werke eines Komponisten als Aufführung, im gleichen Raum, mit der Handschrift eines Dirigenten und einer weitgehend identischen Besetzung von Chor, Solisten und Orchester produziert zu haben, dieser Rückblick lässt sich, angesichts der damit verbundenen Herausforderungen, für mich derzeit noch nicht in Worte fassen, zumal ein Ende der Reihe nicht absehbar ist. Mögen uns noch viele Aufzeichnungen gelingen.
Worin liegt jedoch die Fazination der Oratorien? "Alte Musik" geht oft mit falschen Klischees einher. Spannung, Kraft, Dramatik und Virtuosität sind nicht eben jene Begrifflichkeiten, die als Synonym für Werke des Genres gelten. Doch sind es gerade diese Faktoren, die uns bewogen haben die Oratorien für die Nachwelt festzuhalten, authentisch - als Konzert.
Georg Friedrich Händel wusste das Publikum in seinen Bann zu ziehen, es erschauern zu lassen - damals wie heute. Selbst Haydn erging es nicht anders. Lassen Sie mich auf eine Anekdote eingehen: Der Niedergang Jerichos im II. Akt des Oratoriums "Joshua" hat Händel zu einem seiner herrlichsten "Donnerchöre" veranlasst. Bei einer großen Aufführung 1791 in der Westminster Abbey war Haydn sehr beeindruckt. Es heisst, die Musik war ihm zwar vertraut, er sei sich jedoch ihrer Wirkkraft nur halb bewusst gewesen, ehe er sie zu hören bekam. Jedenfalls war Haydn überzeugt, dass nur ein Genie wie Händel jemals eine so überragende Komposition verfasst haben und in aller Zukunft verfassen könne...
Damals hatten die Menschen noch Zeit, waren keiner Reizüberflutung durch Medien und Internet ausgesetzt - und dennoch tat sich auch Haydn schwer, die wahre Größe und Kraft eines Oratoriums rechtens einzuschätzen. Diese Kraft, diese Dramatik ist die Idee, das Konzept unserer Retrospektive. Einen Querschnitt schaffen, eine Zwischenbilanz erstellen, um Ihnen damit die Welt der Oratorien Händels und der klassischen Musik näherzubringen.

Josef-Stefan Kindler, K&K Verlagsanstalt, Anno 2018

"Die verlegerische Leistung
von Josef-Stefan Kindler und Andreas Otto Grimminger
von der K&K Verlagsanstalt
ist mit ihrer Edition Kloster Maulbronn
kaum hoch genug zu würdigen..."

DIE RHEINPFALZ, Juni 2016


"Die CD-Edition beginnt mit einem Paukenschlag:
Die auch klangtechnisch hervorragend gelungene Einspielung
dokumentiert den hohen Rang der Maulbronner Klosterkonzerte
und liefert in der "Jephtha"-Diskografie
eine interessante und hörenswerte Variante..."

DIE RHEINPFALZ, 1998


Flautissimo !

Die Sinfonie in Es-Dur, Op. 13 Nr. 1, von Carl Philipp Stamitz (1745-1801)

Carl Stamitz wurde 1745 als ältester Sohn des Violinisten und Komponisten Johann Stamitz zu Mannheim geboren. Dieser stand seit 1741 als Konzertmeister im Dienst des späteren Kurfürsten Karl Theodor. Mannheim war bereits seit 1720 Karl Theodors Residenzstadt. Sein berühmtes Orchester, die Mannheimer Hofkapelle, kann als erstes "Orchester" im heutigen Sinn betrachtet werden. "Es sind wirklich mehr Solospieler und gute Komponisten in diesem als vielleicht in irgendeinem Orchester in Europa", schrieb 1773 der "musikalische Weltreisende" Ch. Burney hierzu in sein Tagebuch. Damit boten sich einzigartige Voraussetzungen zu einem repräsentativen Musikleben, in dem sich der Stilwandel vom "Barock" zur "Klassik" vollziehen konnte. Zahlreiche Merkmale dieses Wandels wären zu nennen, einige betreffen die Organisation, andere das Repertoire oder die Aufführungspraxis. Typisch ist z.B. das Verschwinden des Generalbasses; die Bassstimme wird den Melodielinien der Oberstimme untergeordnet und das melodische Geschehen dadurch differenzierter. Zugleich verdrängt der einfachere, sich in Metrik und Periodenbau der Melodie anpassende homophone Satz den kontrapunktischen. Zu den bisherigen Klangkontrasten einzelner Orchestergruppen tritt die einheitlich artikulierende Dynamik des geschlossenen Orchesterverbandes hinzu, zum terrassenartigen Abwechseln verschiedener Klangstärken kommt nun die stufenlose An- und Abschwelldynamik und eröffnet neue Ausdrucksperspektiven. Zur Ausbreitung des Mannheimer Stils hat Johann Stamitz maßgeblich beigetragen, auch als Lehrer - wobei die Söhne Carl und Johann Anton (1754-1809) als wichtigste Schüler und Traditionsbewahrer zu nennen sind. Der zwölfjährige Carl Stamitz wurde nach dem Tode des Vaters 1757 durch verschiedene Orchestermitglieder unterwiesen, vor allem durch C. Cannabich. Er trat mit siebzehn Jahren selbst in die Hofkapelle ein und gehörte ihr bis 1770 an. Hierauf folgten viele Jahre wechselnder musikalischer Tätigkeiten, die ihn in vielen europäischen Residenzen berühmt machten. 1794 ließ er sich mit seiner Familie in Jena nieder und wirkte dort als akademischer Musikdirektor bis zu seinem Tod. Seine Werke umfassen etwa 80 Sinfonien, darunter 26 konzertante, viele Solokonzerte, Streichquartette und andere Kammermusik. Leider ist davon nur ein Bruchteil erhalten.

Das Flötenkonzert Nr. 1 in G-Dur, KV 313, von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791)

Mozarts Sympathie für Blasinstrumente zeigt sich bei ihrer unverwechselbaren Behandlung in den Orchesterwerken. Oft sind Bläserwerke bei ihm auch Zeichen einer freundlichen Zuwendung zu bestimmten Musikern. 1777 hatte er im Hause der Musikerfamilie Wendling den reichen holländischen Arzt und Flötenliebhaber Ferdinand Dejean kennengelernt und auf dessen Bestellung mehrere "kleine Concertln und ein paar quattro auf die Flötte" komponiert. In Mozarts späteren Jahren bestand übrigens eine freundschaftliche Verbindung zwischen Dejean und Mozarts Wiener Ärzten. Beim G-Dur-Konzert KV 313 lässt Mozart die Flöte nur von Streichern, einem Oboenpaar (in dieser Aufführung von Flöten übernommen) und einem Hörnerpaar begleiten. In der Exposition des Allegro maestoso stellt er einen konzentrierten Entwurf reichen Motivmaterials voran, der hierauf gemeinsam mit dem Soloinstrument großzügig entfaltet wird. Der Durchführungsteil verlangt vom Solisten einen weiten Atem, überspringt riesige Intervalle und ist reich an Modulationen und immenser Dramatik. Wie in den anderen Sätzen gipfelt auch hier die Reprise in einer freien Solistenkadenz. Der langsame Satz ist in durchführungsloser Sonatenform mit zwei verschiedenartigen Themengruppen angelegt. Bei der ersten scheinen Klangfülle und Kantabilität mit leichter Mittelstimmenbewegung auszuschwingen. Ihre Beschaulichkeit wird durch energisch akzentuierte Akkordpaare überschattet. Die zweite Themengruppe ist ein beseelter Dialog zwischen Soloflöte und Primgeige. Ein Rondo im Tempo di Minutto beschließt das Konzert, doch wirkt es durch kunstvolle bewegte Figurationen bedeutend lebhafter als die üblichen Menuette. Mehrfach wiederholte Refrainteile wechseln ab mit virtuos gesetzten, aber locker begleiteten Couplets.

Die Sinfonie Nr. 21 in A-Dur, KV 134, von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791)

Sinfonien gehören für uns selbstverständlich zu den von Mozart präferierten Gattungen. Dabei wird gerne übersehen, dass "die Sinfonie", wie wir sie kennen, nicht zuletzt unter Mozarts Händen erst entstand und dass viele seiner so betitelten Werke Vor- und Experimentalformen dieser Gattung darstellen. Man nimmt an, dass Mozart 55 Sinfonien geschrieben hat, von denen aber nur 41 bekannt sind. Und nur ein Fünftel dieser Werke entspricht dem, was wir heute ebenso unbekümmert wie irrtümlich als "klassische Sinfonie" bezeichnen. Die anderen vier Fünftel sind Jugendwerke, in denen Mozart sich (neben etlichen wichtigen Zeitgenossen wie Joseph Haydn) auf den Weg machte zu einer gültigen klassischen Form. Wie in vielen anderen Bereichen von Mozarts Schaffen entstanden diese Sinfonien meist in Gruppen, an denen man immer neue Entwicklungsstadien ablesen konnte. Eine erste kleine Gruppe entstand während der großen Europareise, die Vater Mozart mit seinen beiden Wunderkindern unternahm. Überhaupt dürfen die verschiedensten musikalischen Eindrücke, die Mozart auf Reisen erhielt, nicht zu gering veranschlagt werden. Sein Horizont wurde dadurch eindeutig erweitert und Anregungen fanden sich allerorten. So wurden in London auf der ersten Reise vor allem der Bach-Sohn Johann Christian und der Bach-Schüler Carl Friedrich Abel Vorbilder. In der zweiten Gruppe von Sinfonien verarbeitete Mozart die Eindrücke seiner zweiten großen Reise, auf der er in Wien die damals führenden Komponisten Wagenseil und Monn kennengelernt hatte. Es folgen zehn Sinfonien, die während und zwischen erster und zweiter Italienreise 1770/1771 komponiert wurden. 1772 entstanden dann mit den sechs "Salzburger" Sinfonien (datiert vor die dritte Italienreise) die ersten zum Teil bereits größer dimensionierten Werke dieser Gattung, die auch in Mozarts Entwicklung einen bemerkenswerten Fortschritt darstellen. In der A-Dur-Sinfonie machen sich die Einflüsse der umliegenden Italienreisen in einer starken und bei Mozart ganz neuen italienisierenden Gesanglichkeit bemerkbar. Die Satzfolge ist bereits gut klassisch die des schnellen Allegro, eines ruhigen Andante, eines lebendigen Menuetts mit Trioteil und eines quicklebendigen Schluss-Allegros, das mit seinen vielen Vorhaltsbildungen ein nicht geringes Potenzial an musikalischer Frechheit birgt. Neu ist vor allem auch die Instrumentierung, denn im zweiten Satz ersetzt Mozart erstmals in seinem Werk überhaupt die zwei Oboen durch zwei Flöten.

Arien & Kantaten

Arien & Kantaten

Sarah Wegener begeistert ihre Zuhörer mit ihrer warm-timbrierten Stimme und kammermusikalischen Durchdringung jeder Partie. Regelmäßig arbeitet sie mit Kent Nagano, Philippe Herreweghe, Thomas Hengelbrock, Heinz Holliger, Michael Hofstetter und Frieder Bernius. Konzerte führten sie zum Schleswig-Holstein Musik Festival, zum Rheingau Musik Festival, zum Konzerthaus Berlin, zur Tonhalle Zürich, zum Wiener Konzerthaus, zum Concertgebouw Amsterdam, zur Casa da Música Porto und zum Bozar Brüssel. Die britisch-deutsche Sopranistin studierte Gesang bei Prof. Jaeger-Böhm in Stuttgart sowie in Meisterkursen bei Dame Gwyneth Jones und Renée Morloc. Eine enge künstlerische Beziehung verbindet Sarah Wegener mit dem Komponisten Georg Friedrich Haas. Für die Hauptpartie der Nadja in seiner Oper Bluthaus, die sie u.a. bei den Schwetzinger SWR Festspiele, den Wiener Festwochen und am Staatstheater Saarbrücken sang, wurde sie 2011 von der Zeitschrift Opernwelt zur 'Sängerin des Jahres' nominiert. In der Saison 2015/16 gab sie ihre Debüts am Royal Opera House London sowie an der Deutschen Oper Berlin in seiner neuen Oper Morgen und Abend. 2014 brachte sie außerdem Jörg Widmanns Drittes Labyrinth an der Kölner Philharmonie mit dem WDR-Sinfonieorchester unter Emilio Pomàrico erfolgreich zur Uraufführung. Zu ihrem Repertoire zählen Händels Messiah, Mozarts c-Moll Messe, Schumanns Faust-Szenen, Dvoraks Stabat Mater und Strauss' Vier letzte Lieder. Eine erfolgreiche Zusammenarbeit verbindet sie u.a. mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, dem NDR-Sinfonieorchester, dem Philharmonischen Staatsorchester Hamburg, dem Kammerorchester Basel, dem Kristiansand Symphony Orchestra, dem Orchestre des Champs-Élysées/Collegium Vocale Gent, dem Orchestre Symphonique de Montréal sowie dem Radio Filharmonisch Orkest. Ihre Diskografie umfasst Aufnahmen mit Frieder Bernius mit Arien von Justin Heinrich Knecht (Carus), Korngolds Die stumme Serenade (CPO) und Schuberts Lazarus (Carus) sowie Rossinis Petite Messe solennelle mit Tonu Kaljuste (Carus) und mit dem RSO tuttgart und Heinz Holliger (Hänssler Classic).
Il Capriccio hat sich seit seiner Gründung im Jahr 1999 personell, stilistisch und musikalisch zu einem ganz individuellen Klangkörper hin entwickelt. Seine Mitglieder, die sich aus dem mitteleuropäischen Raum zu gemeinsamen Arbeitsphasen zusammenfinden, sind herausragende Musiker internationaler Ensembles und Berufsorchester oder lehren an Musikhochschulen. Alle Musiker von il capriccio haben sich seit ihrem Studium intensiv mit historischer Aufführungspraxis beschäftigt. Die Verwendung von Originalinstrumenten stellt dabei nur die Klangbasis dar für eine überaus sprechende und lebendige Art, wie il capriccio auf der Bühne miteinander kommuniziert. il capriccio konzertiert in variabler Besetzung von Barockorchestergröße bis zum klassischen Streichquartett, welches aus den Stimmführern des Ensembles besteht. Die Violinsoli übernimmt der künstlerische Leiter Friedemann Wezel. Zusätzlich arbeitet il capriccio kontinuierlich mit bedeutenden Künstlern wie Sergio Azzolini (Fagott) oder Markus Brönnimann (Flöte) zusammen. Ein weiteres und besonderes Engagement leistet il capriccio im pädagogischen Bereich der Nachwuchsförderung, denn im Jahr 2004 gründete das Ensemble eine eigene "il capriccio Streicherakademie".

Bach: Johannespassion, BWV 245

Die Johannespassion, BWV 245, von Johann Sebastian Bach (1685-1750)

Die Passio Secundum Johannem (Passionsmusik nach dem Evangelisten Johannes) ist die früheste der derzeit bekannten Passionsmusiken Bachs, von denen heute nur die Johannes-Passion und die Matthäus-Passion in weitgehend authentischer Form erhalten sind. Es existiert zwar noch eine Markus-Passion, von dieser ist jedoch nur das Libretto überliefert. Die Uraufführung der Johannes-Passion in ihrer ersten Fassung, wie sie hier erklingt, fand am Karfreitag, dem 7. April 1724, während der Karfreitags-Vesper in der Leipziger Nikolaikirche statt, kurz nach Bachs 39. Geburtstag. In den darauffolgenden Jahren änderte Bach das Werk für weitere Aufführungen immer wieder ab, sodass seine letzte Fassung
wohl auf das Jahr 1749 datiert. Als zentrale Textgrundlage wählte Bach den Passionsbericht des Johannes-Evangeliums in der Luther'schen Bibel-Übersetzung. Dieser wurde ergänzt durch kleinere Passagen des Matthäus-Evangeliums und freie, betrachtende Zwischentexte, deren Herkunft weitgehend ungeklärt ist. Umrahmt wird das Geschehen durch Choräle, deren Texte größtenteils aus bekannten evangelischen Kirchenliedern des 16. und 17. Jahrhunderts stammen. Das Werk ist in zwei Teile gegliedert. Teil eins behandelt den Verrat an Jesu, seine Gefangennahme und die Verleugnung durch Petrus. Der zweite Teil erzählt von den Verhören, der Verurteilung, dem Tod am Kreuze und seinem Begräbnis. Nach Bachs Tod im Jahre 1750 verschwand sein Gesamtwerk nach und nach aus der Öffentlichkeit und geriet fast in Vergessenheit. So auch seine Passionsmusiken. Der Direktor der Berliner Sing-Akademie, Carl Friedrich Zelter, und der 20-jährige Felix Mendelssohn Bartholdy waren es schließlich, die am 11. März 1829 nach über 100 Jahren die Matthäus-Passion erstmals wieder zur Aufführung brachten und damit eine breite Bewegung der Rückbesinnung auf das Bach'sche Werk einläuten. So existiert u. a. eine Bearbeitung der Johannes-Passion von Robert Schumann aus dem Jahre 1851, der das Werk als "um vieles kühner, gewaltiger, poetischer als die nach Matthäus" bezeichnete, als "wie durchaus genial, und von welcher Kunst".
Heute gilt die Johannes-Passion als eines der zentralen Werke europäischer Musikgeschichte.
Diese Konzertaufnahme von Bachs "Johannespassion&quot ist Teil eines Zyklus von Oratorien und Messen, die Jürgen Budday im Rahmen der Klosterkonzerte Maulbronn über mehrere Jahre hinweg aufführte. Die Reihe verbindet Musik in historischer Aufführungspraxis mit dem akustisch und atmosphärisch optimal geeigneten Raum der einzigartigen Klosterkirche des Weltkulturerbes Kloster Maulbronn. Dieser Idealort verlangt geradezu nach der Durchsichtigkeit des Musizierens und der interpretatorischen Freilegung der rhetorischen Gestik der Komposition, wie sie durch die historische Aufführungspraxis in besonderer Weise gewährleistet ist. So wird ausschließlich mit rekonstruierten historischen Instrumenten musiziert, die in den zu Lebzeiten der Komponisten üblichen Tonhöhen gestimmt sind (in dieser Aufführung a' = 415 Hz).

Mozart: Klavierkonzerte Nr. 11 & 12

Die Klavierkonzerte Nr. 11 & 12 von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791)

"Die Concerten sind eben das Mittelding zwischen zu schwer und zu leicht - sind sehr brillant - angenehm in die Ohren - natürlich, ohne in das Lehre zu fallen - hie und da können auch Kenner allein Satisfaction erhalten - doch so - dass die Nichtkenner damit zufrieden seyn müssen, ohne zu wissen warum." (Mozart über die drei Klavierkonzerte KV 413, 414 und 415 in einem Brief an den Vater am 28. Dezember 1782) - "Ich muß in gröster Eyle schreiben, weil es schon halb 6 uhr ist, und ich mir um 6 uhr leute herbestellt habe um eine kleine Musique zu machen; (...) nun fehlen noch 2 Concerten zu den Suscriptions Concerten." (Mozart in einem Brief an den Vater am 28. Dezember 1782) - 1782 ließ sich Mozart zusammen mit seiner Frau endgültig in Wien nieder und versuchte als einer der ersten freiberuflichen Musiker seiner Zeit, sein Einkommen durch eigens veranstaltete Akademien zu erwirtschaften. Er wußte, daß er das Wiener Publikum als Komponist und hervorragender Pianist erobern konnte und komponierte in seinem ersten Wiener Winter 1782/83 allein 4 neue Klavierkonzerte. Da er die Finanzierung dieser Konzertakademien selber leisten mußte, reduzierte er den Begleitapparat des Klavieres zunächst auf 4 Streicher. Der Erfolg stellte sich allerdings schnell ein: In einem zeitgenössischen Bericht vom 22. März 1783 heißt es: "Heute gab der berühmte Herr Chevalier Mozart eine musikalische Akademie zu seinem Antheil im National-Theater, in welcher Stücke von seiner ohnehin sehr beliebten Composition aufgeführt wurden. Die Akademie war mit außerordentlich starkem Zuspruch beehret, und die zween neuen Concerte und Fantasien, die Herr Mozart auf dem FortePiano spielete, wurden mit dem lautesten Beyfall aufgenommen. Unser Monarch, der die ganze Akademie, gegen seine Gewohnheit, mit seiner Gegenwart beehrte, und das ganze Publikum ertheilten denselben so einstimmig Beyfall, daß man hier kein Beispiel davon weiß." Als Resultat dieses Erfolges erweiterte Mozart nun die Quartettbesetzung um einen Kontrabaß, später sogar um Holzbläser, und im Falle des C-Dur Konzertes KV 415 sogar um Trompeten und Pauken. Das Konzert in F KV 413 ist nachweislich erst nach dem 28. Dezember 1782 fertiggestellt worden. Es enthält einen ersten Satz, der im 3-er Takt komponiert ist, etwas sehr Ungewöhnliches für einen ersten Satz eines Klavierkonzertes. Mozart wollte offensichtlich drei sehr verschiedene Typen des Klavierkonzertes geben. Das F-Dur Konzert atmet in allen drei Sätzen reine Gefälligkeit und ist durchaus als pastoral zu bezeichnen. Das Konzert in A ist ursprünglich das erste der drei neuen Konzerte. Es hat einen poesievollen, fast amourösen Charakter. Sein zweiter Satz, das Andante, ist der innigste und blutvollste Satz dieser Konzerte. Mozart schrieb zunächst ein Konzert-Rondo als dritten Satz, den er dann jedoch aufgab, weil er den Begleiterfordernissen a quattro nicht ganz entsprach. Dieses fragmentarische Konzert-Rondo ist heute unter der Köchel-Nummer 386 verzeichnet. (Christoph Soldan)

Bach meets Vivaldi

Bach meets Vivaldi

Die ersten Werke der Gattung "Konzert" sollten eigentlich dazu dienen, von einem großen Instrumentalensemble (Streichorchester und Basso continuo) und nicht von solistisch besetzten Gruppen aufgeführt zu werden. Dass allerdings die Prinzipal-Violine in einer solchen großen Gruppierung doch bald nach besonderen Aufgaben verlangte, verwundert in diesem Zusammenhang nicht. Daraus entwickelt sich schließlich der heute dominierende Dialog zwischen Tutti und Solo. Ein früher Meister dieser Kompositionsart und treibende Kraft der Entwicklung war der Italiener Antonio Vivaldi. Das Konzert in g-Moll RV 157 ist dabei noch der Form ohne wirkliche Solostimme geschuldet. Es beginnt mit einem kraftvollen Satz, in dem die beiden Violin-Stimmen Zwiesprache halten. Einem strengen Largo mit punktiertem Rhythmus folgt das schwungvolle Finale, das ein wenig an den "Sommer" der "Vier Jahreszeiten" erinnert. 1711 veröffentlichte Vivaldi unter dem Titel "L'Estro Armonico" ("Die harmonische Eingebung") einen Zyklus von 12 Konzerten für Violinen und Streichorchester. Das Konzert in d-Moll RV 565 ist das elfte und wohl bekannteste der Sammlung. Als eines der älteren Stücke ähnelt es doch sehr den Concerti grossi von Arcangelo Corelli. Das zehnte Stück des Zyklus ist das Konzert in h-Moll RV 580. Es gestaltet sich äußerst abwechlungsreich und aus heutiger Sicht sehr modern. So beginnt es mit einem virtuosen Solo zweier Violinen in statischer Harmonik, das von einem rasanten Cello-Solo mit Continuo abgelöst wird. Es folgt ein sehr melodiöses, "romantisches" Largo mit einer Solo-Violine, das in einem stürmischen Finale, ebenfalls unter Einbeziehung des Cellos als Soloinstrument, endet. Kein Wunder also, dass Johann Sebastian Bach dieses Werk (als BWV 596) neben anderen für die Orgel umgearbeitet hat. Bach beschäftigte sich ab ca. 1713 mit Konzerten von Antonio Vivaldi, Giuseppe Torelli, Alessandro und Benedetto Marcello aber auch Georg Philipp Telemann und bearbeitete einige für Orgel und Cembalo. Eine genaue zeitliche Einordnung der Violinkonzerte BWV 1041-1043, die Sie hier hören, lässt sich nur schwer vornehmen. Sicher ist nur, dass die Konzerte bereits zur Verfügung standen, als er 1730 die Leitung des "Collegium musicum" in Leipzig übernahm. Vielleicht schrieb er sie über viele Jahre hinweg für sich selbst. Denn es ist durch seinen Sohn Carl Philipp Emanuel überliefert, dass Bach die Violine bis ins hohe Alter "rein und durchdringend" spielen konnte. Im Detail tragen die Konzerte eindeutig die Handschrift Bachs. So werden Tutti und Solo teilweise noch mehr miteinander verwoben, einander gleichgesetzt und virtuos überlagert. Dennoch ist eine gewisse Nähe zum Stil Vivaldis unüberhörbar, weshalb die hier dargebotenen Werke hervorragend miteinander harmonieren. (Irene Schallhorn)

Reihe & Edition

A

uthentic Classical Concerts zu veröffentlichen, heisst für uns, herausragende Aufführungen und Konzerte für die Nachwelt festzuhalten und zu vermitteln. Denn Künstler, Publikum, Werk und Raum treten in einen intimen Dialog, der in Form und Ausdruck - in seiner Atmosphäre - einmalig und unwiederbringlich ist. Diese Symbiose, die Spannung der Aufführung dem Hörer in all ihren Facetten möglichst intensiv erlebbar zu machen, indem wir die Konzerte direkt in Stereo-Digital-HD aufzeichnen, sehen wir als Ziel, als Philosophie unseres Hauses. Das Ergebnis sind einzigartige Interpretationen von musikalischen und literarischen Werken, schlichtweg - audiophile Momentaufnahmen von bleibendem Wert. Blühende Kultur, dem Publikum vor Ort und nicht zuletzt auch Ihnen zur Freude, sind somit jene Werte, welche wir in unseren Editionen und Reihen dokumentieren.

Die Konzerte im UNESCO-Weltkulturerbe Kloster Maulbronn, bieten in vielfacher Hinsicht die idealen Voraussetzungen für unser Bestreben. Es ist wohl vor allem die Atmosphäre in den von romantischem Kerzenlicht erhellten Gewölben, der Zauber des Klosters in seiner unverfälschten sakralen Ausstrahlung und Ruhe, die in ihrer Wirkung auf Künstler und Publikum diese Konzerte prägen. Renommierte Solisten und Ensembles der großen internationalen Bühnen sind gerne und vor allem immer wieder hier zu Gast - genießen es in der akustisch und architektonisch vollendeten Schönheit des Weltkulturerbes in exquisiten Aufführungen weltliche und sakrale Werke darzubieten, die wir in unserer Edition Kloster Maulbronn dokumentieren.

Der große Konzertflügel ist unbestritten der König unter den Instrumenten. Wir könnten jetzt auf seine unvergleichliche Dynamik, den zartesten Klang im leisen Moll bis hin zum mächtigen Anschlag im Fortissimo eingehen oder von seiner beeindruckenden Größe und Eleganz schwärmen. Doch wirklich faszinierend ist die Individualität, denn jedes Instrument ist ein Unikat - von Meisterhand geschaffen. Es hat ein Eigenleben, auf das sich der Virtuose einlässt und so das Werk des Komponisten zum Leben erweckt. In unserer Reihe Grand Piano Masters gehen wir auf den Charakter, auf die Seele des großen Konzertflügels ein und erleben während der Aufführung den Dialog zwischen Instrument, Virtuose und Raum.

Andreas Otto Grimminger & Josef-Stefan Kindler, K&K Verlagsanstalt

Werke, Sätze & Titelliste

Das Konzert

Flautissimo !

Gespielt von Michael Martin Kofler (Flöte)
und dem Südwestdeutschen Kammerorchester Pforzheim
unter der Leitung von Timo Handschuh
am 18. Juli 2014

Carl Philipp Stamitz (1745-1801):
Sinfonie in Es-Dur, Op. 13 Nr. 1
1. II. Andante moderato
[3:42]

Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791):
Flötenkonzert Nr. 1 in G-Dur, KV 313
2. I. Allegro maestoso
[8:55]

Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791):
Sinfonie Nr. 21 in A-Dur, KV 134
3. I. Allegro [5:12] ~ 4. II. Andante [5:43]


Das Konzert

Arien & Kantaten

Ein Konzert in historischer Aufführungspraxis
mit Sarah Wegener (Sopran) und dem Ensemble il Capriccio
am 16. Mai 2015

Traditional:
5. Auld Lang Syne [0:58]
Schottische Volksweise nach einem Gedicht von Robert Burns (1759-1796)

Georg Friedrich Händel (1685-1759):
6. Rinaldo, HWV 7a: Lascia ch'io pianga [4:12]
Arie der Almirena
Libretto von Giacomo Rossi
nach "La Gerusalemme liberata" von Torquato Tasso (1544-1595)

Giovanni Battista Ferrandini (1710-1791):
7. Giunta l'ora fatal: Se d'un Dio [0:54]
aus der Kantate "Il pianto di Maria"
Bislang Georg Friedrich Händel als HWV 234 zugeschrieben

Georg Friedrich Händel (1685-1759):
Gloria
Kantate für Sopran Solo, 2 Violinen und Basso continuo
8. I. Gloria in excelsis Deo [2:16] ~ 9. II. Et in terra Pax [2:34]
10. VI. Quoniam tu solus sanctus [3:23]


Johann Sebastian Bach (1685-1750):

Johannespassion, BWV 245

Gesamtaufnahme der Urfassung von 1724
in historischer Aufführungspraxis,
aufgeführt vom Maulbronner Kammerchor
und dem Barockorchester 'Ensemble il capriccio'
unter der Leitung von Jürgen Budday
am 26. & 27. September 2015

11. Teil I: Choral: Herr, unser Herrscher [7:48]
Chor

12. Teil I: Choral: O große Lieb [0:50]
Chor

13. Teil I: Choral: Dein Will gescheh, Herr Gott, zugleich [0:50]
Chor

14. Teil I: Arie: Von den Stricken meiner Sünden [4:44]
Alt-Arie · Solist: David Allsopp (Countertenor)

15. Teil I: Choral: Wer hat dich so geschlagen [1:44]
Chor

16. Teil II: Choral: Christus, der uns selig macht [1:01]
Chor

17. Teil II: Choral: Ruht wohl, ihr heiligen Gebeine [6:30]
Chor

18. Teil II: Choral: Ach Herr, laß dein lieb Engelein [2:13]
Chor

Grand Piano Masters

Mozart: Klavierkonzerte Nr. 11 & 12

Für Klavier & Streichquintett,
gespielt von Christoph Soldan und den Schlesischen Kammersolisten
am 26. Juni 2016

Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791):
Klavierkonzert Nr. 11 in F-Dur, KV 413
Bearbeitet für Klavier & Streichquintett
19. I. Allegro [8:43] ~ 20. II. Larghetto [6:49]

Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791):
Klavierkonzert Nr. 12 in A-Dur, KV 414
Bearbeitet für Klavier & Streichquintett
21. I. Allegro [9:46]


Das Konzert

Bach meets Vivaldi

Gespielt in historischer Aufführungspraxis
von der Lautten Compagney Berlin
am 26. Mai 2017
Solistin: Julia Schröder (Violine)
Konzertmeisterin: Birgit Schnurpfeil
Künstlerische Leitung: Wolfgang Katschner

Johann Sebastian Bach (1685-1750):
Concerto für 2 Violinen in D-Moll, BWV 1043
Solo-Violinen: Birgit Schnurpfeil & Julia Schröder
22. I. Vivace [3:29]

Antonio Vivaldi (1678-1741):
Concerto für 4 Violinen in H-Moll, Op. 3 Nr. 10, RV 580
23. I. Allegro [3:40]

Antonio Vivaldi (1678-1741):
Concerto grosso in D-Moll, Op. 3 Nr. 11, RV 565
Solo-Violinen: Birgit Schnurpfeil & Matthias Hummel
24. I. Allegro - Adagio e spiccato - Allegro [3:53]
25. II. Largo e spiccato [2:22] ~ 26. III. Allegro [2:20]


Tonmeister: Andreas Otto Grimminger
Produktion & Mastering: Andreas Otto Grimminger & Josef-Stefan Kindler
Photography: Josef-Stefan Kindler
Artwork & Coverdesign: Josef-Stefan Kindler

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